P. Georg Wiedemann cpps empfängt in Salzburg die Priesterweihe.

Die mächtigen Glocken des Salzburger Doms gaben ihr Bestes, als sich am Freitag, dem 29. Juni, nach dem „Großer Gott, wir loben dich“ das schwere Bronzeportal öffnete und vier „frisch gebackene“ Priester von der wartenden Menge herzlich begrüßt wurden. Einer der Neupriester ist Pater Georg Wiedemann (39), Missionar vom Kostbaren Blut, aus Unterroth/Schwaben. Und dass er beim anschließenden Gratulieren in der Gruppe, der zu diesem Anlass mit zwei Bussen angereisten Freunde, Bekannten und Pfarrangehörigen nicht unterging, liegt vor allem an seiner Größe. Wiedemann misst eins siebenundneunzig. Unzählige Hände musste er schütteln, und von allen Seiten flogen ihm frohe Glück- und Segenswünsche zu. „Dass wir jetzt einen Priester aus unserer Pfarrei haben, ist schon eine Freude, die ich nicht beschreiben kann, bekannte eine Unterrotherin auf dem sonnigen Domplatz. Und sie mag Recht haben, denn 84 Jahre sind vergangen, seit Unterroth den letzten Priester hervorgebracht hat.
Dass aber Wiedemann in Salzburg die Weihe empfangen hat, liegt daran, dass die Gemeinschaft der Missionare vom Kostbaren Blut in Salzburg ihr Ausbildungszentrum hat. Zu diesem Orden gehört Wiedemann. In Salzburg hat er vor acht Jahren mit einem Einführungsjahr den Weg in diese Ordensgemeinschaft begonnen. Und dort hat er an der Theologischen Fakultät seine akademische Ausbildung erhalten. In Baumgärtle, wo die Missionare vom Kostbaren Blut die Wallfahrt betreuen, wurde er vor zwei Jahren in den Orden aufgenommen, und am 24. Oktober vergangenen Jahres weihte ihn sein Mitbruder, Bischof Erwin Kräutler in Unterroth zum Diakon. Seitdem ist Wiedemann Praktikant in Ottobeuren und lernt, als Seelsorge für die Menschen da zu sein.
Wiedemann ist ein echter
Spätberufener. Gelernt hat er Gärtner und Automobilkaufmann. Gearbeitet hat er in seiner Heimat und in London. Und immer war er auf der Suche. „Vor zehn Jahren mit 29“, erzählt er, „kam für mich eine Wende. Ich war in Indien und habe dort religiöse Tage miterlebt. Da kam der Wunsch auf, meinen Glauben ernster zu nehmen.“ Und der Wunsch, im Dienst der Kirche zu arbeiten. Nach einem Praktikum in einem Pfarrbüro sah er sich in verschiedenen Ordensgemeinschaften um. In Baumgärtle hörte er eine Predigt und wurde neugierig auf die Missionare vom Kostbaren Blut.
Gefragt, warum ein junger Mann heute in einen Orden geht und Priester wird, meint er: „Die Frage müsste lauten ,wozu’.“ Und darauf hat er eine Antwort: „Es macht Freude, den Menschen die Botschaft Jesu zu verkünden. Es macht Freude, Menschen in Höhen und Tiefen nahe zu sein. Und für mich ist es ein Luxus, viel Zeit für meine eigene Suche nach Gott zu haben.“ Das war auch der Tenor der Predigt von Weihbischof Andreas Laun im voll besetzten Dom von Salzburg. Ein Leben lang müsse der Priester auf der Suche nach Gott sein, empfahl der Weihbischof, der in Vertretung des erkrankten Erzbischofs das Sakrament spendete.
Das Wort Gastfreundschaft
ist dem Weltenbummler Wiedemann wichtig. „Wenn ich alleine unterwegs war“, schwärmt er, „in den Vereinigten Staaten, in verschiedenen Ländern Europas oder in Indien, habe ich herzliche Gastfreundschaft erfahren.“ Die will er weiterschenken. Deshalb hat er sich als Primizspruch, als Lebensprogramm, das Wort Jesu gewählt: „Wer den aufnimmt, den ich sende, nimmt mich auf.“ (Joh 13,20). „Eine Ordensgemeinschaft“, meint er, „muss heute vor allem gastfreundlich sein. Sie muss Platz haben und Heimat bieten für Gott und für die Menschen mit ihren Sorgen und Hoffnungen.“ wut





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