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P. Andreas Hasenburger zum

Provinzial gewählt

KUFSTEIN (Juni 2007) Die Deutsche Provinz der Missionare vom Kostbaren Blut hat am 11. und 12. Juni 2007 in Kufstein eine neue Leitung gewählt. Provinzial ist P. Andreas Hasenburger. Ihm zur Seite stehen P. Josef Gehrer als Vizeprovinzial, P. Josef Klingele, P. Willi Klein und P. Georg Becher als Konsultoren.

In der Wallfahrtskirche unterzeichnet P. Andreas Hasenburger das Ernennungsdekret.

Wahlordnung zwingt zum Leitungswechsel

Spannend wurde die Wahl, als P. Ferdinand Zech, der acht Jahre den Dienst als Provinzial versehen hatte, im zweiten Wahlgang trotz großen Zuspruchs überraschend nicht die geforderte Zweidrittelmehrheit erreicht hat. Damit schied er entsprechend der Wahlordnung als Kandidat aus.
Nach einer Pause, die die Mitbrüder zum Gespräch und zur Kandidatenfindung nutzten, war klar, dass eine breite Mehrheit der Anwesenden P. Andreas Hasenburger für einen geeigneten Kandidaten hielt. Mit einer zwei Drittel Mehrheit wurde P. Andreas schließlich zum Provinzial gewählt und antwortete auf die Frage des Wahlleiters, ob er die Wahl annehme: „Ja, im Vertrauen auf Gottes Hilfe nehme ich die Wahl an.“

Entsprechend dem Prozedere versammelten sich die Missionare daraufhin in der Wallfahrtskirche Maria Hilf, wo P. Andreas im Rahmen der Vesper das Glaubensbekenntnis ablegte, und P. Robert Schreiter, der Vertreter des Generaloberen, ihn offiziell in sein Amt einführte. Ergreifend wurde der Ritus, als die Missionare ihrem neuen Provinzial den Friedensgruß austauschten. Anschließend feierten sie im gemütlichen Rahmen, gratuliert P. Andreas und fanden herzliche Dankesworte für P. Ferdinand.

Wahlordnung zwingt zu Wechsel

Die demokratische Verfassung der Gemeinschaft sieht einen regelmäßigen Wechsel in der Leitung vor. Deshalb ist die Hürde für eine dritte und letzte Amtsperiode mit einer Zweidrittelmehrheit schon im zweiten Wahlgang sehr hoch angesetzt. Dass P. Ferdinand Zech diese nur ganz knapp verfehlte, macht deutlich, wie sehr die Mitbrüder seinen Dienst während der vergangenen acht Jahre geschätzt haben.

Die Wahl der Konsultoren ging am Morgen des 12. Juni zügig vonstatten. Josef Gehrer, Josef Klingele und Georg Becher wurden wiedergewählt. Neu in das Gremium kam Willi Klein. In wichtigen Angelegenheiten kann der Provinzial nur mit Zustimmung der Konsultoren eine Entscheidung treffen. Immer aber ist die Leitung gehalten, im Team das Wohl der Mitbrüder und den missionarischen Auftrag der Gemeinschaft im Auge zu behalten.

Rückblick, Entscheidungen und neue Idee

Die Leitungswahl war nur ein Teil der umfangreichen Tagesordnung auf der Provinzversammlung. Voraus gingen der Bericht P. Ferdinands über die Entwicklungen während der abgelaufenen Periode und die Darlegung der wirtschaftlichen Situation durch den Ökonom, P. Josef Klingele. P. Andoni Ledesma Sanchez, der Leiter des Brasilianischen Vikariates, informierte die Versammlung über Herausforderungen, denen sich die Mitbrüder am Xingu gegenübersehen.

Außerdem standen wichtige Fragen zur Entscheidung an. Es ging um die Sanierung des Kollegs St. Josef in Salzburg, das in naher Zukunft wieder von Gemeinschaft genutzt werden soll, und um die Anpassung der Provinzsatzungen an eine sich verändernde Welt.

Versöhnung konkret

Mit großem Interesse lauschten die Mitbrüder am Morgen des 13. Juni, dem letzten Tag der Provinzversammlung, einem Vortrag von P. Robert Schreiter. Er ist Mitglied der Generalleitung und Professor für Dogmatik an der Katholischen Theologischen Universität in Chicago. Der international anerkannte Experte in Interkultureller Theologie sprach über neue Aspekte von Versöhnung.
Bislang habe die Kirche vor allem eine vertikale Sicht von Versöhnung im Blick gehabt, erklärte er und zeigte an Erfahrungen US-amerikanischer Mitbrüder in der Versöhnungsarbeit zwischen kriminellen Jugendbanden in Chicago eine horizontale Ebene auf. Im Extremfall gehe es dabei um Versöhnung zwischen Mördern und den Eltern von Ermordeten, immer um Aussöhnung zwischen Tätern und Opfern, die oft nicht leicht zu unterscheiden sind, Ziel sei Friede, ein Mehr an Leben. „Wie ist eine Aussöhnung mit Tätern möglich, die überzeugt sind, richtig gehandelt zu haben?“ Diese Frage habe ihm, Schreiter, vor über zwanzig Jahren ein Mitbruder gestellt, der in Chile im Widerstand gegen die Pinochet-Diktatur aktiv war. Diese Frage war Ausgangspunkt für seine Studien und Projektarbeit in Ländern mit totalitärer Vergangenheit auf dem Balkan, in Südamerika oder Afrika. An dieser Frage, so Schreiter, kämen Sozialarbeit und therapeutische Maßnahmen an ihre Grenzen. Die christliche Botschaft biete einen Lösungsansatz. Deshalb sei der Prozess von Aussöhnung unter Einzelnen und Gruppen, Rassen oder sozialen Schichten nie von der vertikalen Ebene, der Versöhnung, die Christus durch sein Blut erwirkt habe, zu trennen. „Als Missionare die aus der Spiritualität des Blutes Christi leben, haben wir in den unterschiedlichen Konflikten den Auftrag, Menschen in solchen Prozessen zu begleiten“, schloss Schreiter seinen Vortrag und lud die Mitbrüder der Deutschen Provinz ein, zu überlegen, wo sie in ihrem Apostolat Ansätze für Versöhnung bieten könnten.

Einen guten Abschluss fand dieser Provinztag durch einen schlichten Gottesdienst in der barocken Wallfahrtskirche Maria Hilf. In der Predigt ermutigte Schreiter die Mitbrüder, ihren missionarischen Auftrag neu zu bedenken.
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